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Mehr als die Hälfte der Diskussion war vorbei, da erzählte Onita Boone eine Geschichte, die die Zuschauer wütend machte: "Ich fahre ein teures Auto und regelmäßig passiert es mir, dass die Polizei mich kontrolliert, mich fragt, wem das Auto gehöre, meinem Mann, meinem Chef? Oder ob es gestohlen sei."

Und Shary Reeves kann ähnliches berichten: "Ich stehe mit meinem Auto an der Tankstelle und telefoniere. Ein Polizist klopft an die Scheibe: Was machen Sie da? Ihre Papiere bitte!" Onita Boone und Shary Reeves haben eins gemeinsam: Sie habe eine dunkle Hautfarbe. Die Geschichten spielten sich aber nicht in Detroit oder Baltimore ab, sondern in Köln, in Kerpen. Rassismus in Deutschland. Onita Boone und Shary Reeves sind Deutsche, haben ehrenwerte Berufe, aber sie haben das "Pech", nicht weiß zu sein. Man möchte die Geschichte gar nicht glauben, aber sie ist leider Realität. 

Oliver Strucken-Bathke hatte die verdienstvolle Idee, für eine Podiumsdiskussion zum Thema "Europa im Wandel der Werte" einzuladen. Im Publikum saßen die Sozialwissenschaftskurse der Europaschule. Auf der Bühne sprachen miteinander: Onita Boone, Jazz- und Gospelsängerin, Shary Reeves, TV-Moderatorin, Musikerin, Sportlerin, Julian Kürschner, Charlaine Weber, Kl. 11, Selin Yilmaz, Kl. 8.4, und Dr. Heinz Sander, Lehrer und Geografie-Forscher in Afrika. 

Shary Reeves sagt: "Ich bin glücklich, in Deutschland zu leben, wenn ich im Ausland gefragt werde, sage ich aber am liebsten, ich komme aus Köln!" Jubel im Publikum. " Ich finde aber, dass Deutschland manchmal zu mutlos ist. Wenn beim Deutschen Fernsehpreis der furchtbare Schauspieler und schlechte ehemalige Gouverneur Arnold Schwarzenegger den Preis für sein Lebenswerk bekommt, finde ich das grässlich! Mehr Mut für gute Entscheidungen!" 

"Sollen wir mehr in nationalen Kategorien denken, z.B. mit einer Quote für deutschsprachige Musik im Radio?" fragt Moderator Oliver Strucken-Bathke. "Nein," antwortet Charlaine, "das ist Unsinn, jeder soll selbst entscheiden können, was er hören will!" Selin pflichtet ihr bei:"Eine Quotenregelung wäre außerdem schlecht für die Einnahmen der Sender, denn die Hörer würden wegzappen!"

"Haben die Deutschen keinen Humor?" fragte der Moderator. Shary Reeves: "Doch, doch, 'Stromberg' zum Beispiel finde ich urkomisch!" Sie fügte noch schnell einen Witz zum Bahnstreik an: "Wie soll Marco Reuß denn jetzt zum Training kommen?" Selin: "Einen Film wie 'Türkisch für Anfänger' finde ich witzig, empfinde ich auch überhaupt nicht als Beleidigung von Türken." "Julian: "Humor hat eigentlich keine Grenzen, allerdings werden manchmal doch Grenzen überschritten." Selin: "Der Fall Charlie Hebdo zeigte für mich, dass Mord natürlich keine Antwort sein darf auf antiislamische Karikaturen, aber eine Religion zu beleidigen, geht gar nicht!" Shary Reeves meinte, das Christentum sei moderner als der Islam, gerade auch, was die Akzeptanz von Kritik angeht, dennoch sei es falsch, Moslems immer nur als Minderheit zu behandeln, wir müssen sie in ihrem anderen Glauben akzeptieren.

Shary Reeves beklagte Rassismus bei deutschen TV-Stationen: "Nennt mir eine Samstag-Abend-Show mit einem schwarzen, asiatischen oder türkischen Moderator! Es gibt eine gläserne Decke bei den Medien. Als farbige Moderatorin darf ich schlaue Sendungen wie 'Wissen macht Ah' moderieren, aber wenn es ans Massenpublikum geht, beißen wir Farbigen auf Granit!"

Viele weitere Themen wurden angesprochen, trotz der gelegentlich furchterregenden Beispiele von Rassismus in Deutschland war die Stimmung auf dem Podium entspannt, man war ja einer Meinung. Oliver Strucken-Bathkes professionelle und gelegentlich humoristische Moderation trug wesentlich dazu bei.

Fotos

Bernd Woidtke