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Dass auch LehrerInnen hin und wieder in die Rolle von SchülerInnen schlüpfen müssen, ist eine stark unterschätzte Tatsache. Life-long learning, you know. Am zweiten Tag unserer Spanienreise erhielten alle beteiligten LehrerInnen Nachhilfe in Sachen Apps, digital tools und networking. Denn schließlich ist das Thema Digitalisierung nicht nur für das Europagymnasium Kerpen essentiell, sondern es ist auch DAS Herzstück unseres laufenden Erasmus+ Projektes. Niemand wird bestreiten, dass sich der technische Fortschritt in rasantem Tempo entwickelt und dass Europa – nicht zuletzt durch die intensive Arbeit in den Schulen – in großen Schritten auf dem Weg der Digitalisierung voranprescht.

Gestern hatten wir das Vergnügen, mit dem Bürgermeister von Jamilena zu Mittag essen zu dürfen. Wir wurden exklusiv in ein kleines, aber sehr feines Restaurant eingeladen und verbrachten dort einige Stunden in sehr gelöster und ausgesprochen freundlicher Atmosphäre. Auf meine Frage an den Bürgermeister, wie sich sein Amt ganz konkret gestaltet und ob er für eine weitere Amtszeit kandidieren würde, antwortete dieser: „Auf jeden Fall werde ich für die kommende Amtszeit kandidieren; ich liebe es, mit den BürgerInnen im Gespräch zu sein und ich habe im Rathaus ein tolles Team, auf das ich mich immer verlassen kann. Was mich allerdings stört ist, dass viele Menschen glauben, Politiker könnten jedes Problem lösen. So einfach ist das leider nicht, denn Politik ist sehr komplex und ich als Bürgermeister muss viele Interessen berücksichtigen.“ Wahre Worte!

Gegen 16:00 war unser Mittagessen beendet, und ich ging natürlich davon aus, dass der Bürgermeister noch in sein Büro fahren würde, um die Arbeit zu erledigen, die durch unseren Besuch liegen geblieben war. Doch er sagte: „Jetzt noch ins Büro fahren? Was soll ich denn da um diese Zeit noch? Es ist üblich, dass alle im Rathaus um kurz vor vier nach Hause gehen. Die Arbeit kann auch morgen erledigt werden.“ Traumjob Bürgermeister? Das musste ich unbedingt mit eigenen Augen sehen, und so bat ich um einen kleinen Trip ins Büro des kommunalen Regierungschefs. Und siehe da: Niemand mehr anwesend, alles verdunkelt, auf dem Schreibtisch des Bürgermeisters sage und schreibe vier (!) Dokumente (siehe Foto!), die auf dessen Unterschrift warteten. Zunächst hatte ich den Impuls, diese Information Herrn Spürck zukommen zu lassen, aber ich glaube, es war gut, davon abzulassen. Selbstredend ließ ich es mir nicht nehmen, kurz an jenem Schreibtisch, an dem tagtäglich große Entscheidungen getroffen werden, Platz zu nehmen.

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Zuvor hatten wir die Ehre gehabt, ein großartiges Musikkonzert in der Stadthalle von Jamilena erleben zu dürfen. Es wurde spanische Folklore geboten, es wurde gesungen und getanzt. Ein sehr gelungener Willkommensgruß für uns Gäste aus Portugal, Rumänien, der Tschechischen Republik und Deutschland.

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Die Arbeit an unserer Erasmus-Musik-Hymne nahm auch heute ihren Lauf. Es wurde getextet, gesungen, ausprobiert, aufgenommen, geprobt, verworfen, noch einmal neu aufgenommen und wieder von vorne. Und das alles in fünf Sprachen. Ganz schön schwierig, so ein multikulturelles Musikstück zu erschaffen. Aber Frau Löwe-Lopez und ich sind der Auffassung, dass eine Hymne identitätsstiftend ist und Musik ohnehin die Sprache ist, die jeder versteht. Und es lohnt sich: hier wächst musikalisch etwas sehr Schönes zusammen. Wir gehen davon aus, dass das Ergebnis in der Europawoche im Mai präsentiert wird.

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Die Spanier sind ein sehr stolzes Volk. Sie lieben ihre Traditionen, die Folklore, ihre Sitten und Bräuche. Als wir heute Nachmittag das Schloss Torredonjimeno besuchten, wurden wir mit einem aufwendigen Spektakel überrascht, in dessen Verlauf uns u.a. mittelalterliche Tänze vorgeführt wurden. Die in wunderschönen Trachten gekleideten Akteure boten einstudierte Tanzschritte und Figuren vor traumhaft schöner Kulisse dar.

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Und nun endlich zurück zur Frage des Tages von Montag: unsere spanische Partnerschule in Jamilena hat knapp 140 SchülerInnen – wer hätte das gedacht? Dies entspricht in etwa vier Klassenstärken des Europagymnasiums Kerpen. Hasta pronto!

Oliver Strucken-Bathke für das Erasmus+ Team, 18.02.2020