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Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich Klassenfahrten und Austauschprogramme für SchülerInnen und LehrerInnen in etwa gleich anfühlen. So bilden sich auch unter LehrerInnen durchaus Subgruppen, man albert herum und auf dem ein oder anderen Fußmarsch durch die Stadt werden Sprüche wie „ich muss mal“ oder „wann sind wir endlich da?“ laut. Besonders lustig wird es, wenn eine Gruppe von rumänischen, spanischen und deutschen LehrerInnen in der heißen Mittagssonne von Jaén völlig ausgehungert durch die Gegend irrt, auf der Suche nach Burger King – denn direkt neben diesem Restaurant war man ja schließlich beim kulinarischen Mitbewerber mit den KollegenInnen von der portugiesischen Fraktion zum Lunch verabredet.

Wie dumm nur, dass es (wer konnte das ahnen?) in Jaén selbstredend nicht nur eine Burger King-Filiale gibt, sondern gleich mehrere. Also flux das Gleiche gemacht, wie unsere SchülerInnen in solch einer Situation: Smartphones raus, Google Maps öffnen (natürlich machen das gleich mindestens drei KollegenInnen parallel), sich ständig um die eigene Achse drehen, da Google Maps nicht klar zu verstehen gibt, ob Norden auch wirklich dort ist, wo man den Norden vermutet (nämlich oben), diskutieren, was der kürzeste Weg zum anderen Burger King Point sein könnte und so weiter und so fort. Es war zum Schießen (wie gut, dass meines Wissens kein/e SchülerIn diese Szene mit ansehen musste). Und natürlich haben auch wir LehrerInnen stets ein kleines, in eine EU-Flagge gehülltes Maskottchen dabei, das im Flieger sogar einen schicken Fensterplatz ergattern konnte (siehe Foto).

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Auf unserer Spanienreise fahren wir oft mit dem Bus durch die traumhaft-schöne andalusische Landschaft. In dieser Hinsicht – und nur in dieser (!) – bin ich vielleicht eher old school, denn ich finde: Auf Busreisen bekommst Du einfach viel mehr mit von dem Land, das Du gerade bereist, von den Menschen, die in diesem Land leben, von den vielen Eindrücken. Gleichzeitig denke ich während unserer Reise viel über das Thema Nachhaltigkeit nach. Ich habe z.B. ausgiebig mit unseren Partnern aus der Tschechischen Republik gesprochen, die mir von ihrem Konzept einer umweltfreundlichen Schule (eco school) berichtet haben. Es gibt dort u.a. Aktionen, die an unseren bekannten Bike-to-school day angelehnt sind. Das hat mich beruhigt. Und dennoch kommen mir immer wieder Gedanken wie diese in den Sinn: „Wieso bekommen wir das nicht ein für alle Mal hin, unseren einzigartigen Planeten besser zu behandeln? Wieso ist am Ende des Tages dann doch jeder sich selbst der Nächste, wenn er wieder ins Auto (oder in den Bus) steigt, um ein paar Kilometer zurückzulegen? Wie viel Zeit bleibt uns noch, um das Ruder herumzureißen und die Erderwärmung zumindest zu begrenzen und so die klimatischen Auswirkungen in einem mehr oder weniger erträglichen Rahmen zu halten? Wann erkennen wir endlich, dass alle so oft erwähnten wirtschaftlichen Argumente null und nichtig sind, wenn die Lebensgrundlage vieler Lebewesen und Pflanzen auf diesem Planeten ernsthaft bedroht ist? Wollen wir unseren Kindern die Erde wirklich in diesem Zustand zurücklassen? Keine Angst, ich möchte an dieser Stelle nicht Greta Thunberg-like pathetisch werden (ich bin es ja schon), aber ja: Unsere Generation sollte etwas zurückgeben!

Die anhaltende Trockenheit ist auch hier deutlich spürbar: Seit Monaten hat es hier nicht mehr geregnet, und schon im Februar herrschen vor Ort Temperaturen von bis zu 22 Grad, was sich selbst für Einheimische ungewöhnlich warm anfühlt. Abends im Hotelzimmer zappe ich durch die Fernsehkanäle und ich erlebe, dass es auch hier im Grunde nur zwei beherrschende Themen gibt: Klimawandel und Coronavirus. Gestern waren wir in Granada unterwegs und wir wurden dort Zeugen einer schier endlosen Schlange von Traktoren: Landwirte hatten sich – wie in vielen anderen europäischen Ländern – auch hier auf den Weg gemacht, um gegen die unhaltbaren Zustände in der Landwirtschaft (hier: Dumpingpreise im Zusammenhang mit der Olivenernte) zu demonstrieren. Auch in Spanien bangen viele Bauern um ihre berufliche Existenz. Europe – not only united in diversity. Also united in its core worries!

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Der Besuch von Granada und der Alhambra war ein echtes Highlight unserer Reise. Die Alhambra (red castle) ist mehr als ein aufwendig gestaltetes Schloss, es war seit dem 8. Jahrhundert Stadtzentrum des damaligen, hier herrschenden Königs. Seine Bauten sind absolut beeindruckend, verblüffend detailverliebt und für die Ewigkeit gebaut. Wir bewunderten den Idealismus, der diesem Bauwerk zugrunde gelegen haben musste.

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Rückblickend war jedes unserer Comenius- bzw. Erasmus+ Programme ein Erlebnis. Wir hatten ja bereits deutsch-spanische, deutsch-polnische und deutsch-spanisch-ungarische Austauschprogramme, doch unser aktuelles deutsch-spanisch-portugiesisch-rumänisch-tschechisches Programm ist da eine ganz andere Liga. Aber wieder einmal wird deutlich, was man so alles auf die Beine stellen kann, wie einfach alles gehen kann, wenn alle an einem Strang ziehen. Ich bin stolz darauf, dabei zu sein. Larga vida a europa!

Oliver Strucken-Bathke für das Erasmus+ Team, 20.02.2020