Lernen in Zeiten des ,,Corona-Shutdown"

 
„Ich bin echt überrascht, wie gut das alles klappt.“
„Die Video-Chats sind eine tolle Möglichkeit, sich zu sehen. Wir haben neulich zwei Stunden lang richtig Unterricht darüber gemacht.“
„Am Anfang war ich voll motiviert und habe mich gleich an die Aufgaben gemacht. Aber jetzt, nach zwei Wochen, verliere ich so langsam die Motivation.“
„Nie hätte ich gedacht, dass ich es mal vermissen würde, zur Schule zu gehen.“

Es sind Aussagen wie diese von SchülerInnen des Europagymnasiums, wie sie zurzeit wohl überall zu hören sind. Mehr als zwei Wochen nach dem Ende des Unterrichts in den Schulen und dem Beginn des „Distanzlernens“ stehen alle Beteiligten tagtäglich vor neuen Herausforderungen, haben aber auch schon vieles dazu gelernt: Eltern, wie sie unerwartete Tage im Kreise der Familie neu strukturieren und ihre Kinder beim Lernen unterstützen müssen. SchülerInnen, wie sie sich selbst motivieren müssen und erkennen sollten, dass sie eben nicht nur für die Schule lernen. LehrerInnen, wie sie sich plötzlich mit digitalen Lernplattformen auseinandersetzen und das richtige Aufgabenpensum wie Tempo für die Lernenden finden müssen.

Dabei lässt sich aus der Krisenzeit auch eine Tugend machen. So haben viele inzwischen erkannt: Bewährte Prinzipien des analogen, synchronen Lernens einfach in eine digitale, asynchrone Umgebung zu übertragen, ist zwar möglich, aber wenig sinnvoll. Eine Chance der momentanen, für alle ungewohnten Lehr- und Lernsituation liegt eben gerade auch darin, Neues auszuprobieren und zu erkennen – seien es neue Aufgabenformate, neue Lernwege, neue Möglichkeiten des Feedbacks oder einfach auch „nur“ eine neue Beziehungsebene.

Auch am Europagymnasium wird in diesen Tagen vielfach auf ungewohnte Weise gelernt, gearbeitet oder einfach kommuniziert. Ein paar exemplarische Beispiele aus dem „Homeschooling“ seien hier vorgestellt – sie machen Mut, dass auch in Zeiten von Verboten und „Social Distancing“ auf kreative Weise eine andere Art des Miteinander entsteht.

Holger Müller-Hillebrand

 

„Corona-Tagebuch“ der Klassen 5.2 und 5.3

Was macht ihr während der unterrichtsfreien Tage? Wie geht es euch? Was denkt und fühlt ihr? Was ist euch möglicherweise Besonderes passiert? Diese Fragen stellten Klassenlehrerin Andrea Dunkel und Klassenlehrer Dominik Kemper „ihren“ Kindern aus den Klassen 5.2 und 5.3. Herausgekommen sind bis jetzt viele bunte Tagebücher – eins davon, das von Maike Kellermann aus der 5.3, dürfen wir hier exemplarisch zeigen.

„Homeschooling-Challenge“ der Klassen 5.2 und 5.3

Ein Buch lesen, ein Erklärvideo drehen oder Mama ohne Knurren und Murren einen Wunsch erfüllen – so lässt sich die unterrichtsfreie Zeit auch zu einem kleinen Wettbewerb nutzen, von dem jeder etwas hat. In den Klassen 5.2 und 5.3 werden dabei fleißig „Credits“ gesammelt und die fleißigsten Punktesammler später prämiert – dann, wenn wir alle wieder in die Schule gehen dürfen.

Regenbogenbilder aus der Klasse 6.1

Trübsal? Davon ist auf den Bildern der Kinder aus der 6.1 so gar nichts zu spüren. Mit farbenfrohen Regenbögen trotzen die Sechstklässler der Krisenzeit – und erfreuen ihre Klassenlehrerin Silke Köllmann jeden Tag aufs Neue. Ihren Ursprung sollen die Regenbogenbilder übrigens in Italien haben. Von hier stammt auch der Spruch „tutto andrà bene“ (auf deutsch: „alles wird gut“).

„Instruction cards“ zu YouTube-Tuturials in der Klasse 6.8

Tutorials auf der Videoplattform YouTube liegen voll im Trend. Englischlehrerin Verena Schultz hat sich dies zunutze gemacht und „ihren“ Kindern Links zu YouTube-Videos geschickt, zu denen sie anschließend eine „Instruction card“ – eine grafisch gestaltete Anleitung – kreieren sollten. Levi Notarius erklärt in seiner Anleitungskarte beispielsweise, wie man ein Smartphone korrekt säubert. 

Audio- und Videokonferenzen von Klasse 8 mit Klasse 6

Schule geschlossen, Englisch eingerostet? Nicht so bei den Klassen von Andrea Pressentin und Verena Schultz: Unter den Hashtags #stayhome #speakenglish #schueleraustauschmalanders organisieren die beiden Englischlehrerinnen kleine Audio- und Videokonferenzen, während der sich Lernende aus Klasse 8 mit Lernenden aus Klasse 6 unterhalten – in English, please. Smalltalk in Zeiten des Kontaktverbots – funktioniert! Übrigens nicht nur in englischer Sprache: Ähnliches führen auch Uschi Zöller, Estrella Loewe-López und Andrea Pressentin mit ihren Spanisch-Lernkursen durch.

Schulschließungs-Blog des Deutsch-LK 2B2

Auf einem Schulschließungs-Blog veröffentlichen die SchülerInnen des Deutsch-Leistungskursus von Holger Müller-Hillebrand seit dem Schul-Shutdown allerlei: Fotos aus dem Home Office, Buchtipps, Zeichnungen, selbst verfasste Gedichte und Gedanken zu ungewissen Zeiten.

 

Regenbogenbilder aus der Klasse 6.1 - Arne (rechts) hat sogar sein eigenes T-Shirt kreiert

 

links: Homeschooling-Challenge der Klassen 5.2 und 5.3 - rechts: der erste Tag aus dem ,,Corona-Tagebuch" von Maike Kellermann (5.3)

 

 

links: Instruction card von Levi Notarius (Klasse 6.8)