Distanzunterricht5 11 02 2021

Normalerweise hätten alle Schüler:innen, Eltern und Lehrer:innen des Europagymnasiums Kerpen nach den Weihnachtsferien Schultaschen gepackt, Brote geschmiert und sich zur Schule auf den Weg gemacht. Sie wären auf Räder, in Busse oder Autos gestiegen, um zum Europagymnasium zu fahren und hätten sich um 8.00 Uhr in ihren Klassen- und Fachräumen getroffen.

Nicht so in diesem Jahr. „Der Präsenzunterricht wird bis zum 31. Januar ausgesetzt.“ Diese Nachricht erreichte landesweit alle Schulen zu Beginn des neuen Jahres. Und so verkürzte sich der Schulweg auf den Weg zwischen Frühstückstisch und Schreibtisch, statt die Schultasche zu packen werden Handy, Tablet und Laptop zu Hause angeschlossen.

Wie kann Unterricht unter diesen Rahmenbedingungen gelingen? Mit Schüler:innen, die sich nach Stundenplan in Videokonferenzen ihrer Fächer einwählen, mit Eltern, die ihre Kinder bei der ungewohnten Situation unterstützen, und Lehrer:innen, die sich auf neue Wege des Unterrichtens einlassen.

Die Zeit seit dem ersten Lockdown hat das Europagymnasium intensiv genutzt, um sich auf eine mögliche Wiederholung des Distanzunterrichts vorzubereiten. Der stellvertretende Schulleiter Dominik Riediger erinnert sich an einen regelmäßigen, konstruktiven Austausch mit Schüler- und Elternvertretung, den Tatjana Stucken, damalige Schulleiterin, schon im ersten Lockdown initiierte: „Wir haben die kritischen Rückmeldungen ernstgenommen und uns gleichzeitig der Frage gestellt, was denn realistisch machbar ist.“ Dabei wurden die Erfahrungen des ersten Lockdowns gemeinsam mit Eltern- und Schülervertretung ausgewertet, um daraus Regeln für das Distanzlernen zu entwickeln. Die technische Grundlage schaffte David Neifer, Lehrer am Europagymnasium, indem er die Online-Plattform Teams für die Schule einrichtete und allen Schulmitgliedern bei Problemen zur Seite steht. Sein Kollege Dominik Kemper organisierte für das Lehrerkollegium „Mikrofortbildungen“, kurze Input-Videokonferenzen, die von bereits technisch versierten Kolleginnen und Kollegen für diejenigen mit weniger Vorerfahrung angeboten wurden. Riediger spricht hierbei dem gesamten Kollegium ein großes Lob aus: „Ohne die technisch erfahrenen Kollegen, die so viel Arbeit investiert haben, um das System aufzubauen, hätten wir das nicht geschafft. Aber meine Anerkennung geht ebenso an all die Kolleginnen und Kollegen, die sich in den letzten Monaten ganz neu in die Materie eingearbeitet haben und jetzt mit großem Einsatz Ideen und kreative Möglichkeiten entwickeln, wie sie ihren erprobten Unterricht auf Distanzformate umstellen können.“

„Es ist schön zu erleben, dass die Mikrofortbildungen der Lehrer hilfreich waren, das Konzept zum Distanzlernen als Handlungsgrundlage trägt und aus den Erfahrungen gelernt worden ist“, schreibt die Pflegschaftsvorsitzende Kati Räke in ihrem aktuellen Elternbrief. Die Eltern einer sechsten Klasse geben in einer Umfrage einstimmig an, dass der Distanzunterricht besser funktioniere als im vergangenen Frühjahr. Auch andere Eltern sprechen dem Gymnasium ihr Lob aus: „Besonders gut gefallen mir die möglichst zeitnahen Informationen, dass es die „Handreichungen zum Distanzlernen“ gibt und dass es der Schule wichtig ist, wie es Schülern, Eltern und Lehrern mit dem Homeschooling geht.“

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Auch die Lehrkräfte profitieren von der Vorarbeit der letzten Monate. „Meiner Meinung nach läuft der Distanzunterricht viel strukturierter und routinierter als im vergangenen Frühjahr ab. Ein großer Vorteil für die Schülerinen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer ist, dass nach Stundenplan vorgegangen wird“, sagt ein Lehrer des Gymnasiums. Einig sind die Kolleginnen und Kollegen in ihrem Lob an die Schüler:innnen: „Sie haben sich - trotz der rigorosen Einschränkungen in ihrem persönlichen Umfeld und einiger Verunsicherungen auch in Bezug auf ihre Zukunft - super auf den Distanzunterricht und die neuen Herausforderungen eingestellt und sind zum Großteil sehr kompetent, engagiert und fröhlich im Unterricht dabei!“ Die Notwendigkeit, sich schnell an die neue Situation anzupassen, haben zu einem engen Austausch und gegenseitiger Unterstützung geführt: „Wir haben eine tolle Kultur des Gebens und Helfens und Fortbildens etabliert“, fasst Dominik Kemper zusammen.

Natürlich gibt es nach wie vor Herausforderungen, denen sich das Europagymnasium stellt, denn Lernen ist Beziehungsarbeit – und braucht soziale Kontakte und unmittelbare Kommunikation. Das stellt den digitalen Schulalltag imme wieder auf die Probe. Eine dieser Herausforderungen ist es, den Abiturjahrgang auf seinem Weg zum Abschluss sicher zu begleiten. Eine weitere wird es sein, den Übergang zurück in den Präsenzunterricht zu gestalten. Das Europagymnasium stellt sich diesen Herausforderungen wie auch in den letzten Monaten: In enger Zusammenarbeit mit Schulpflegschaft und Schülervertretung und dem Bewusstsein, was bisher bereits erreicht werden konnte. Mit den Worten einer Lehrerin: „Was Schüler:innen und Lehrer:innen seit März 2020 gelernt haben, ist kaum vorstellbar. Dass wir nun wie selbstverständlich online arbeiten und lernen, hätte vor einem Jahr noch niemand gedacht.“

Beate Schmitz