Terroronkel 2020 01 09

Als Tom aufwachte, fühlte er sich komisch, er konnte sich nicht bewegen! Er konnte es einfach nicht, er versuchte mit aller Kraft, einen Finger zu bewegen … er schaffte es nicht. Da kam sein schrecklicher Onkel herein, und so sah er aus:

Er hatte einen dicken Lederhandschuh, auf dem ein großer bayrischer Berguhu drauf saß. Das ist der größte Uhu der Welt, er heißt Wagner. Der Onkel hat eine braune Lederjacke. In der Innentasche sind tote Mäuse und Küken, die er manchmal für Wagner in die Luft wirft, damit er sie sich schnappen und verspeisen kann. Der Onkel raucht immer Pfeife, er hat sie immer im Mundwinkel hängen! Er trägt dicke Stiefel mit Stahlkappen und eine graubraune Schiebermütze, unter der er seine Glatze versteckt.

Tom ist der Erbe von einem großen Herrenhaus, welches seine Eltern besitzen. Es steht auf einem 20.000 Quadratmeter großem Grundstück. Das Haus heißt Saxbi Hall. Es gibt sogar einen See mit einem Ruderboot, im See wohnen ein paar Frösche und Fische. Im Wald wohnen Rehe und ein Hirsch und natürlich unzählige Mäuse. Auf dem großen Wiesen stehen Bienenstöcke.

Hans, so heißt übrigens Toms Onkel, ist der kleine Bruder von Frank. Frank ist Toms Vater und Besitzer von Saxbi Hall, da Roberto, der andere Bruder der beiden, auf einer Bootsfahrt im Meer verschwunden ist. Er war der Älteste von ihnen und der eigentliche Besitzer von Saxbi Hall.

Hans war noch nie nett zu Frank, einmal sammelte er Steine und überzog sie mit Zuckerguß. Er gab sie Frank zu essen und tat so als wären es knusprige Kekse. Ein anderes Mal hing er ihn an die Wäscheleine und lies ihn den ganzen Nachmittag dort baumeln. Ganz gemein war, als er ihn bis zum Hals im Sand vergrub und erst bei Einsetzen der Flut befreite! Sehr schlimm war auch, als es mit Franks Kreditkarte ins Casino ging und dort alles Geld verspielte! Alle Angestellten mussten entlassen werden, nur nicht Butler Gibbon. Er ist schon seit 50 Jahren in Diensten der Familie, er hat nicht verstanden, dass er entlassen wurde, da er fast blind und taub ist! Also blieb er!

Nun aber zurück zu unserer Geschichte …

„Ach, du bist schon aufgewacht!“ sagte Hans. „Was heißt hier schon?“ fragte Tom verwundert.

„Das kannst du ja noch gar nicht wissen, du lagst Monate lang im Koma. Auf dem Weg nach London hattest du einen Autounfall mit deinen Eltern und hast dir alle Knochen gebrochen.“ Tom wollte wissen, was mit seinen Eltern ist. Hans wirkte ganz fröhlich als er sagte. „Sie sind tot.“

Tom war fassungslos, „Wie, sie sind tot?! Sag mir, dass das nicht stimmt!"

„Sie sind so tot, wie es nur geht, toter als tot ... mausetot.“

Tom musste weinen, ihm schossen sämtliche Sachen durch den Kopf, die er mit seinen Eltern erlebt hatte. Sie kamen ihm so vor als wären sie ewig her. „Wagner hat sich um dich gekümmert, wie um ein Küken,“ schmunzelte Hans. „Jemand musste dich ja füttern, während du im Koma lagst. Aber keine Sorge, er hat brav die Schnecken und Würmer vorgekaut und dir dann in den Mund gespuckt!“ GRÄHHHH!!! Kam von Wagner als Antwort. Tom rief nur „Bähh!!“

„Ok" sagte Hans zu ihm, „ich habe eine Klingel für dich, wenn du was brauchst, dann klingel.“ Mit diesen Worten verließ er grinsend das Zimmer. Tom hörte wie er die Tür abschloss, dann dachte er nach. Wie konnte er sich alle Knochen gebrochen haben? Er konnte doch zumindest den Hals bewegen. Er rollte sich hin und her und fiel vom Bett. Der Verband hatte sich gelockert und ein wenig später konnte er die Hände bewegen. So konnte er sich ganz einfach befreien, er musste abhauen! Sein Freund Tim wohnte im Nachbardorf, wenn er schnell rannte könnte er am nächsten Morgen dort sein. Er stand auf und nahm einen Bleistift und ein Blatt Papier, schob das Blatt vorsichtig unter den Türschlitz und mit dem Bleistift stieß er den Schlüssel aus dem Türschloss. Es klappte, der Schlüssel landete auf dem Papier und nun konnte er ihn ins Zimmer ziehen.

Er schloss auf. Da er 13 Jahre in Saxbi Hall gewohnt hatte, kannte er jede knarzende Stelle auf der Treppe und auf dem Flur. Er ging unbemerkt runter und kam vor die Haustüre. Er hörte seinen Onkel wie er im Arbeitszimmer Kisten umschmiss und alles durchwühlte, dann klingelte das Telefon. Tom war starr vor Schreck, aber das Telefon war im Arbeitszimmer. Am Telefon war Toms Lehrerin, sie wollte wissen, ob es ihm schon besser geht. Sein Onkel sagte ihr, dass er immer noch im Koma liegt. Tom konnte es nicht fassen, wie konnte er nur so lügen! Als er die Haustür aufmachen wollte merkte er, dass diese auch abgeschlossen war. Er guckte am Fenster, aber das war auch abgeschlossen. Er erinnerte sich daran, dass unter Fussmatte immer ein Notschlüssel lag. Er nahm ihn und in dem Moment knarzte der Boden. Er schloss schnell auf und in dem Moment ging auch schon die Tür zum Arbeitszimmer auf. Hans kam heraus, er war allerdings noch nie der Schnellste. Tom rannte los und merkte gar nicht, wie kalt es war, es hatte geschneit. Er guckte nach hinten und sah seinen Onkel in der Tür stehen. Er rief Wagner zu er solle sich diesen Bengel holen. Der große Vogel flog los, als Tom am Eisentor ankam. Wie konnte es anders sein, auch das Tor war abgeschlossen! Er rannte die Mauer entlang, irgendwo musste doch eine Lücke sein, da kam auch schon Wagner. Er schnappte Tom an den Schultern und flog hoch, er hörte ein lautes GRÄHHH und schon landete er vor der Haustür, wo Hans ihn schon erwartete. Er schleppte ihn in den Keller. Aus Tom schoß es heraus. „Warum hast du mich angelogen? Warum hast du auch meine Lehrerin angelogen?“ „Es ist alles nur zu deinem Beschten! B E S C H T E N“ buchstabierte er. Buchstabieren war noch nie seine Stärke. Er fragte ihn, ob er was essen möchte. „Es gibt Schneckeneintopf oder einen Regenwürmerdrink.“

„NEIN!!!“, schrie Tom. Dann fragte der Onkel „Sag mal, weißt du eigentlich, wo dein Vater das Testament aufbewahrt?“ Tom log und sagte, dass er es nicht weiß. Hans wusste aber, dass er log. „Hm, vielleicht fällt es dir ja nach ein paar Tagen alleine im dunklen Keller wieder ein.“ Er knallte die Tür zu und schloß ab. Tom überlegte, jetzt wusste er, wie er hier wegkam, es gab einen Gang im Kohlenkeller. Er führte direkt zum Wirtshaus und er war so schmal, dass Wagner dort nicht fliegen konnte, um ihn zu schnappen. Jetzt musste er ihn nur noch finden, er tastete den Boden ab. Etwas später fand er die Falltür, das Beste war, dass am Eingang eine Fackel mit Streichhölzern lag. Tom zündete die Fakel an, sofort merkte es sein Onkel über die Überwachungskameras, die er im Keller angebracht hatte. Tom ging in den Tunnel, plötzlich bemerkte er ein Licht hinter ihm, sein Onkel! Er rannte so schnell er konnte. Sein Onkel ging zurück und entdeckte am Eingang ein Schild mit der Aufschrift Wirtshaus zum Schwert. Er setzte sich in sein Auto und fuhr zum Wirtshaus, als Tom aus dem Tunnel kam, erwartete ihn sein Onkel bereits. Er sagte „Wo willst du denn hin?“ Der Terroronkel schleppte ihn zum Auto, als sie an Tims Haus vorbei kamen, öffnete er während dem Fahren die Tür und sprang heraus. Er versteckte sich in Tims Zimmer. Als der dann nach Hause kam, wollte er alles von Tom wissen. Beide kannten nur eine Lösung. „Wir flüchten in den Regenwald!!

Robin Schmidt (5.7)