ERASMUS+ Fortbildung „AI and Critical Thinking in the Classroom“
24/08/2026
Rom, 17. bis 22. August 2026
Im Rahmen des ERASMUS+ Programms hatte ich die Gelegenheit, an einem einwöchigen Fortbildungsseminar mit dem Titel „AI and Critical Thinking in the Classroom“ in Rom teilzunehmen. Es war es mir ein besonderes Anliegen, mich intensiver mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Unterricht auseinanderzusetzen – sowohl in Bezug auf die Chancen als auch auf die Herausforderungen, die sich für das kritische Denken unserer Schülerinnen und Schüler ergeben.
Mit dem Zug fuhr ich über Lugano in der Schweiz nach Rom und konnte täglich zu Fuß die 10 Minuten zum Europass Büro laufen, das gleich an der Trajanssäule und hinter dem Forum Romanum liegt. Das Seminar wurde täglich von 9-2 englischsprachig von Lehrkräften aus sieben verschiedenen europäischen Ländern (Spanien, Frankreich, Litauen, Griechenland, Polen und Österreich) besucht, was den fachlichen Austausch von Beginn an außerordentlich bereichert hat. Die unterschiedlichen nationalen Bildungssysteme, Schulkulturen und der jeweilige Digitalisierungsgrad sorgten für vielfältige Perspektiven auf ein gemeinsames Thema und die Vorstellungen der einzelnen Schulen zeigte gleich, dass wir alle mit den gleichen Fragen angereist waren. Es wechselten sich Vorträge, Input des Seminarleiters mit Gruppenarbeiten, Diskussionen, spielerischen Elemente und Möglichkeiten der individuellen Erprobung der Tools ab. Vor allem der Aspekt, wie kritisches Denken und die Verwendung von KI tools miteinander harmonieren können, sich eventuell sogar bedingen, wurde von Beginn an, intensiv diskutiert. Auch der informelle Austausch in den Pausen und bei gemeinsamen Mahlzeiten und kulturellen Aktivitäten erwies sich als ebenso wertvoll, da hier ganz praktische Erfahrungen aus dem jeweiligen Schulalltag geteilt wurden. Ganz schnell wurde klar, dass wir sehr viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede teilen.
Ein zentraler Bestandteil des Seminars war das praktische Ausprobieren zahlreicher KI-Tools, die im schulischen Kontext eingesetzt werden können. Wir testeten unter anderem Werkzeuge zur:
- Unterstützung bei der Unterrichtsvorbereitung und Materialerstellung
- automatisierten Erstellung von Übungsaufgaben und Quizfragen
- Textanalyse und Schreibförderung
- Sprachförderung und Übersetzung
- Feedback-Generierung für Schülerarbeiten
- Altersgerechter, kreativer, spielerischer Einsatz von KI tools
Wie beschrieben, besonders wertvoll war dabei, dass die Tools nicht unkritisch übernommen, sondern gemeinsam in der Gruppe kritisch hinterfragt wurden. Wir diskutierten intensiv über Fragen wie:
- Wie zuverlässig und sachlich korrekt sind die generierten Inhalte tatsächlich?
- Welche Verzerrungen oder Perspektiven können in den Ergebnissen auftreten, und woran erkennt man sie?
- Wie verändert sich die Rolle der Lehrperson, wenn KI-Tools Teile der Unterrichtsvorbereitung übernehmen?
- Wie kann verhindert werden, dass Schülerinnen und Schüler KI-Ergebnisse unreflektiert übernehmen und wie kann ihr eigenes kritisches Denken gefördert werden?
- Welche didaktischen Methoden eignen sich, um den bewussten und mündigen Umgang mit KI zu fördern?
Diese kritische Auseinandersetzung stand klar im Vordergrund und unterschied das Seminar von rein technisch orientierten Fortbildungen. Es ging nicht nur darum, möglichst viele Tools kennenzulernen, sondern darum, eine reflektierte Haltung gegenüber KI zu entwickeln und diese an die eigenen Schülerinnen und Schüler weiterzugeben. Und besonders hier haben wir als europäische Gruppe immer wieder festgestellt, dass sich das System Schule und die Situationen der Schülerinnen und Schüler an sich sehr ähneln und wir, trotz oder gerade wegen all der Möglichkeiten, den Menschen, das Menschliche stark in den Vordergrund stellen müssen. Diskriminierungen, ungleicher Zugang zu Bildungschancen u.ä. können durch AI nicht ausgeräumt werden.
Das Verständnis verschiedener Sichtweisen, das Erlernen von Toleranz ist eine menschliche Aufgabe.
Für meine eigene Unterrichtspraxis nehme ich aus dem Seminar mehrere wichtige Erkenntnisse mit:
- KI als Werkzeug, nicht als Ersatz: KI-Tools können die Unterrichtsvorbereitung sinnvoll unterstützen, ersetzen aber nicht die fachliche und pädagogische Urteilsfähigkeit der Lehrkraft.
- Kritisches Denken als Schlüsselkompetenz: Der bewusste, hinterfragende Umgang mit KI-generierten Inhalten sollte selbst zum Unterrichtsgegenstand werden – etwa durch Übungen, in denen Schülerinnen und Schüler KI-Antworten auf Plausibilität und Quellenlage prüfen und lernen, Fakt und Fake zu unterscheiden.
- Europäischer Austausch als Mehrwert: Der Blick über den eigenen schulischen Tellerrand hinaus hat mir gezeigt, wie ähnlich die Herausforderungen im Umgang mit KI an Schulen in ganz Europa sind.
- Notwendigkeit klarer Leitlinien: Viele Teilnehmende berichteten von einem Mangel an schulinternen Richtlinien zum KI-Einsatz – ein Punkt, an dem wir alle in der Zukunft sicher weiterarbeiten müssen, am besten gemeinsam im Kollegium und auch im Austausch mit unseren europäischen Nachbarn, in diesem Seminar wurde die Grundlage aus meiner Sicht dafür gelegt.
Das ERASMUS+ Seminar „AI and Critical Thinking in the Classroom“ war für mich eine äußerst bereichernde Erfahrung. Der internationale Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, die praktische Erprobung zahlreicher KI-Tools sowie deren kritische Reflexion haben mir neue Impulse für meinen Unterricht gegeben. Es wurden Kontakte geknüpft, Ideen entwickelt für gemeinsame Projekte, eventuell Besuche, Austausch und vielem mehr. Das Seminar war gut organisiert, inhaltlich sehr interessant und ich würde es sofort wieder besuchen.
Ausgewählte Methoden und Tools werde ich sicher noch mehr in meinen eigenen Unterricht integrieren und dabei stets den Fokus auf die Förderung des kritischen Denkens meiner Schülerinnen und Schüler zu legen.
Die Tatsache, dass der Kurs in Rom stattfand, ließ uns alle täglich erleben, dass wir Menschen nicht nur über Ländergrenzen, sondern auch durch die Geschichte verbunden sind und sicher immer weiter lernen, mit allen neuen Herausforderungen und Entwicklungen positiv und nachhaltig umzugehen. Ich freue mich darauf.
AI works in the digital world, but then final result must live in the physical space through the body, the voice, and human interaction.
— The Pedagogical Vision
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