Hinter den Kulissen der Wissenschaft – SC6 im Museum Koenig
08/02/2026
Ein ganz besonderes Erlebnis erwartete die MINT-Fördergruppe der Jahrgangsstufe 6, den Science Club (SC6), im Museum Koenig in Bonn. Im Rahmen exklusiver Führungen erhielten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Familien die seltene Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen eines der bedeutendsten naturwissenschaftlichen Forschungsmuseen Deutschlands zu werfen.
Der Tag begann mit einem Besuch in der Präparation, einem Bereich, der dem normalen Museumsbetrieb sonst verborgen bleibt. Hier erfuhren die Schüler:innen Erstaunliches über die aufwendige Arbeit der Präparatorinnen und Präparatoren – unter anderem, dass im Regenwald-Saal tatsächlich alle Blätter künstlich in Handarbeit gefertigt sind und sogar Fraßspuren von Insekten original dargestellt sind. Dieser Einblick machte eindrucksvoll deutlich, wie viel Fachwissen, Zeit und Detailgenauigkeit hinter den Ausstellungen steckt.
Anschließend führte der Rundgang durch die beeindruckende Savanne, wo zahlreiche Tierpräparate in einem naturnahen Lebensraum zu sehen sind. Hier stehen auch die berühmten Giraffen, die seit der Eröffnung des Museums Teil der Dauerausstellung sind – und eine ganz besondere Geschichte besitzen: Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Museum eines der wenigen repräsentativen Gebäude in Bonn, das nicht zerstört worden war. Am 1. September 1948 fand im Lichthof des Museums die Eröffnungssitzung des Parlamentarischen Rates statt, der das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland erarbeitete. Für diese Veranstaltung mussten viele Tierexponate in Seitengänge geräumt werden – doch eine der Giraffen war zu groß, um bewegt zu werden, und blieb im Saal stehen; sie wurde später hinter einem Vorhang verborgen. Diese „Bundesgiraffe“ wurde so zur stillen historischen Zeugin dieses wichtigen Moments der deutschen Demokratiegeschichte.
Passend dazu durften die Schüler:innen auch einen Blick auf Konrad Adenauers Schreibtisch werfen – ein Moment, in dem Naturwissenschaft und Geschichte auf besondere Weise miteinander verbunden wurden.
Ein absolutes Highlight war das Treffen mit Professor Wolfgang Böhme, der der Gruppe die Reptiliensammlung des Museums näherbrachte. Anschaulich und mit großer Begeisterung erklärte er die Bedeutung der in Alkohol konservierten Tiere, zeigte sowohl die kleinste als auch die größte Schlange der Sammlung und erläuterte, was ein sogenanntes Typus-Exemplar ist – also jenes Exemplar, das zur Erstbeschreibung einer Art dient. So wurde Wissenschaft greifbar und lebendig vermittelt.
Nach einer kurzen Mittagspause konnten die Schüler:innen schließlich auch lebende Tiere hautnah erleben: Ein Tierpfleger des Museums stellte einen Königspython vor, der sogar vorsichtig angefasst werden durfte – ein unvergessliches Erlebnis für viele.
Darüber hinaus bot das Museum moderne Zugänge zur Wissenschaft: Mit VR-Brillen konnten die Teilnehmenden zum Beispiel eine virtuelle Ballonfahrt über die Baumwipfel des Regenwaldes unternehmen. Arktis und Antarktis wurden dagegen ganz analog erkundet – mit begehbaren Stationen, einem Iglu und anschaulichen Ausstellungsbereichen, die die extremen Lebensbedingungen dieser Regionen greifbar machten.
Besonders hervorzuheben ist der generationsübergreifende Charakter der Exkursion: Neben den Schüler:innen nahmen auch interessierte Eltern teil. Gerade frühe Förderung erleichtert Kindern den Zugang zur Wissenschaft – insbesondere dann, wenn Neugier und Begeisterung auch im familiären Umfeld unterstützt werden. Die gemeinsame Teilnahme machte deutlich, wie wichtig Eltern als Mitgestaltende dieser Bildungsprozesse sind und verstand sich zugleich als Dank für ihr Engagement, mit dem sie das Interesse an MINT-Fächern nachhaltig fördern.
Dass dieses exklusive Programm stattfinden konnte, war keine Selbstverständlichkeit – Termine für solche Einblicke müssen oft lange im Voraus, in diesem Fall fast ein Jahr vorher, gebucht werden. Umso größer war die Freude über diesen rundum gelungenen Tag.
Die durchweg positiven Rückmeldungen aller Beteiligten bestärken uns darin, diesen Ansatz weiterzuverfolgen und solche außerunterrichtlichen, generationsübergreifenden MINT-Erfahrungen dauerhaft im Förderprogramm zu verankern.
Ergänzend sei erwähnt, dass die Schüler:innen des Science Clubs diese Woche ihre Zertifikate für die erfolgreiche Teilnahme an der Begabtenförderung erhalten haben. Die feierliche Übergabe erfolgte durch den stellvertretenden Schulleiter Herrn Riediger und würdigte das besondere Engagement sowie die Neugier der Teilnehmenden. Der Besuch im Museum Koenig stellte damit einen inhaltlich wie symbolisch passenden Höhepunkt eines erfolgreichen Förderhalbjahres dar.
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Fotos: Frau Skiba und Frau Lipp